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Vorreiter in Sachen Product Carbon Footprint

Wie die Hydro Gruppe mit CO2Realtime ihre Treibhausgase und Energiekosten senken will

Kunden und Stakeholder zufrieden stellen und gleichzeitig das Klima schonen: Mit CO2Realtime können Unternehmen ihre Treibhausgase senken und dabei Energiekosten sparen. Die Besonderheit? Die durch die ÖKOTEC Energiemanagement GmbH entwickelte Software und Methodik misst die Product Carbon Footprint -Emissionen in Echtzeit und unterscheidet, wo diese entstehen. So lassen sich Effizienz- und Sparpotenziale finden. Projektteilnehmer ist Hydro – ein internationaler Aluminiumhersteller mit Hauptsitz in Norwegen. Dr. Karsten Kober, Head of Energy & Cost Management der Hydro Aluminium Rolled Products GmbH, erklärt wie das Unternehmen damit auf die Bedürfnisse Ihrer Kunden und Stakeholder eingeht und sich das Projekt auf ihr Klima- und Emissionsmanagement auswirkt.

(c) Hydro Aluminium Rolled Products

Dr. Karsten Kober

Head of Energy & Cost Management der Hydro Aluminium Rolled Products GmbH

„Mit dem Product Carbon Footprint werden wir unsere Energieperformance jederzeit besser und genauer im Blick haben. Das nützt unserem eigenen Unternehmen, unseren Kunden – und dem Klima“.

Herr Dr. Kober, warum haben Sie sich für das Projektvorhaben CO2Realtime entschieden? Was sind für Sie wesentliche Innovationsaspekte?

Wir pflegen eine enge Kooperation mit unseren Kunden – Transparenz ist für uns somit von großer Bedeutung. Aus diesem Grund hat sich Hydro dazu entschieden, an dem CO2Realtime Projektvorhaben teilzunehmen und gemeinsam an der methodischen Ermittlung eines produktscharfen Carbon Footprints mitzuarbeiten. Der Product Carbon Footprint bezeichnet die Bilanz aller Emissionen, die entlang des gesamten Lebensweges eines Produktes entstehen. Die wesentliche Innovation liegt hier in der Möglichkeit, die komplexen Produktionsabläufe in Kombination mit allen anderen Daten in einem einheitlichen System zu verarbeiten. So können produktscharfe Carbon Footprints und Energiekennzahlen erzeugt werden. Das nützt nicht nur unseren Kunden, die unsere Produkte weiter verarbeiten, sondern auch unserem eigenen Unternehmen.

Warum ist das Thema Product Carbon Footprint für Ihr Unternehmen wichtig?

Als Unternehmen sehen wir uns in der Verantwortung technologische sowie wirtschaftliche Beiträge zur Senkung der klimarelevanten Emissionen zu leisten. So möchten wir unser Unternehmen nachhaltiger gestalten – zum einen um Energie zu sparen, zum anderen um unseren Beitrag für den Klimaschutz zu tun. Bis zum Jahr 2020 arbeitet Hydro deshalb darauf hin, dass unsere Produkte aus Lebenszyklusperspektive CO2-neutral werden. Dabei geht es also um die gesamte Umweltwirkung unserer Produkte auf ihrem Lebensweg – von der Rohstoffgewinnung bis zum Verkauf.

Wie wollen Sie dieses Ziel umsetzen?

Es gibt viele verschiedene Maßnahmen dazu. Wir modernisieren unsere Prozesse, achten auf CO2-arme Energiequellen und untersuchen Emissionsquellen – auch in der weiterverarbeitenden Produktion, um sie besser verstehen und quantifizieren zu können. Zudem erschließen wir natürliche Ressourcen und entwickeln dadurch effiziente Produkte und Lösungen, die nachhaltig am Aufbau einer zukunftsfähigen Gesellschaft mitwirken. Hier bietet sich Aluminium als idealer Werkstoff an, um innovative Lösungen zu finden und zu liefern.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Schritt für Schritt setzen wir neue Prioritäten beim Senken unseres Ressourcenverbrauchs. So beginnen wir beispielsweise bei unseren Verpackungen. Diese bieten einen hohen Schutz und sind durch einen geringen, meist recycelbaren Materialeinsatz nicht nur klimaneutral sondern auch wirtschaftlich. Hierbei orientieren wir uns nicht nur an den Wünschen unserer Kunden, sondern entsprechen auch den Anforderungen der Gesellschaft und der Politik. Damit unser Vorgehen jedoch nicht nur uns und unseren eigenen Kunden dient, teilen wir unsere Erkenntnisse und arbeiten auf weltweite Standards hin, indem wir uns in der Aluminium Stewardship Initiative (ASI) engagieren. Bei der zukünftigen ASI-Zertifizierung wird der Product Carbon Footprint eine unterstützende Rolle einnehmen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie bei der Erstellung von Footprints und Carbon Reporting?

Unser vielfältiger Produktmix entsteht mit unterschiedlich hohen Energieaufwänden. Dies erschwert eine produktscharfe Ermittlung des Carbon Footprints. Wir bemühen uns daher aktuell um sichere Wege zur Gewinnung von produktspezifischen Daten.

Warum ist es wichtig, diese produktspezifischen Daten zu haben?

Um Optimierungspotenziale zu finden, sind produktscharfe Kennzahlen unumgänglich – das beinhaltet Daten und Auswertungen von Produkten, Prozessflüssen, energetischen Aufwänden und sonstigen Einflussgrößen. Diese benötigen wir für die interne Verbesserung unserer Fertigungsprozesse und eine ursachengerechten Energiekostenverteilung. Aus den produktscharfen Kennzahlen für einzelne Prozessschritte können wir dann akkumulierte Daten für das jeweilige Endprodukt erschließen. Diese Daten sind auch für unsere externen Stakeholder relevant. Hier sind wir unter anderem auf die enge Kooperation mit unseren Kunden, Lieferanten und Verbänden angewiesen und profitieren von unserer hohen Wertschätzung als langjähriger, verlässlicher Partner.

Als energieintensives Unternehmen beschäftigt sich Hydro bereits seit vielen Jahren mit Maßnahmen zur Energieeinsparung und Effizienzsteigerung. Welche weiteren Potenziale und Effekte erhoffen Sie sich mit dem Projektvorhaben?

Durch die höhere Transparenz werden wir unsere Energieperformance jederzeit besser und genauer im Blick haben. Nur so können Ineffizienzen verbessert werden. Außerdem ist das Projekt hilfreich, um die Mitarbeiter zu sensibilisieren – es fördert umweltverantwortliches Handeln in jedem unserer Prozesse.

Ebenso sehen wir im Projekt ein erhebliches Wettbewerbspotenzial. Anfragen, die die Energiebilanz unserer Produkte betreffen, können genau und transparent beantwortet werden. Die Vorteile unserer integrierten Wertschöpfungskette werden dargestellt und können in ökologischer Hinsicht von unseren Kunden und deren Kunden als Vorteil wahrgenommen werden.

Was hat sich die Hydro-Gruppe insgesamt für die kommenden Jahre vorgenommen, um CO2-Emissionen zu senken?

Hydro arbeitet auf allen Stufen der Prozesskette an klimarelevanten Verbesserungen. „Better Bigger Greener“ heißt unsere Strategie, die wir zum Beispiel bei Großprojekten wie der Pilotanlage zur weltweit effizientesten Aluminium-Elektrolyse in Karmøy, Norwegen umsetzen.

Diese Strategie prägt auch unsere Investitionen in Deutschland: 2016 haben wir in Neuss eine hochmoderne Anlage zum Sortieren, Trennen und Recyceln gebrauchter Aluminiumgetränkedosen in Betrieb genommen. Sie gehört zu unseren Anlagen mit dem schnellsten Nutzungszyklus, hoher Verfügbarkeit von Recyclingrohstoffen und hervorragenden Eigenschaften zur Schonung von Ressourcen. 2017 eröffneten wir in Grevenbroich eine Großanlage für effiziente Leichtbaubleche zum Automobilbau für Motorhauben, Dächer, Türen usw. In Bonn arbeiten wir aktuell daran, eine Sortiertechnologie für Automobilbleche zur Industriereife zu entwickeln. Damit wollen wir die künftig rapide steigende Menge an Prozessresten – und später auch an gebrauchten Fahrzeugblechen – mit geringstem Energieeinsatz recyceln.

Unsere Datenbasis für die interne Prozesssteuerung verbessern wir dank moderner Simulationsprogramme, die wir teilweise selbst entwickeln. Von der Produktion bis zur Logistik nähern wir uns somit einer effizienteren Prozesskette mit 4.0-Methodik. Wir sehen uns somit als wichtigen Akteur, innovative Lösungen für eine Kreislaufwirtschaft mit Vorteilen für das Klima bereitzustellen.